Als POLIS-StipendiatIn auf Forschungsreise: Miriam Keppner und Juri Krack berichten von Ihrer Teilnahme an der UNFCCC Klimakonferenz COP 21 in Paris

Klimageschichte live miterleben

Von Juri Krack und Miriam Keppner

Auch dank der finanziellen Unterstützung von POLIS, war es uns möglich im Rahmen unserer Masterarbeit an der Weltklimakonferenz in Paris teilzunehmen. Für uns war dies ein einzigartiges Erlebnis, da wir hautnah erleben konnten wie Klimadiplomatie in der Praxis funktioniert. Deshalb möchten wir mit diesem Beitrag auch andere an unseren Eindrücken teilhaben lassen:

Wie mittlerweile bekannt, endete die Konferenz COP 21 in einem als historisch bezeichneten Kompromiss: Der Verabschiedung eines neuen weltweiten Klimaabkommens, unterstützt von 196 Staaten. Auch uns wurde bewusst: Dies war ein historischer Moment. Das Pariser Abkommen selbst wird den Klimawandel nicht aufhalten können, allerdings ist der Beschluss ein starkes Signal an die Weltgemeinschaft. Zu einem Zeitpunkt, an dem viele die Hoffnung auf ein kollektives Handeln aufgegeben hatten, legt das Abkommen die Grundlagen für das weitere Handeln für den Klimaschutz. Aus unserer Sicht liegt die Bedeutung des Abkommens vor allem darin, dass es auch bei nichtstaatlichen Akteuren Anreize für ambitioniertere Klimaschutzmaßnahmen hervorrufen dürfte. Zugleich bedeuten einige der größten Erfolge des Abkommens auch deren größte Herausforderungen – hauptsächlich zu nennen ist hierbei das Ziel die Erderwärmung auf unter 2°C zu halten. Die Tatsache, dass auch das 1.5°C Ziel im Vertragstext Erwähnung findet, stellt eine kleine politische Sensation dar und ist hauptsächlich dem Einsatz der sogenannten Small Island States und dem Außenminister der Marshall-Inseln zu verdanken.

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Das bisher beschriebene hätte man natürlich auch jeder Tageszeitung entnehmen können und doch ist es etwas ganz anderes, persönlich vor Ort sein zu dürfen, wenn die Weltgemeinschaft über den nächsten Klimavertrag verhandelt. Denn nur dann bekommt man hautnah mit, dass sprichwörtlich der Teufel im Detail steckt und alles bisher Verhandelte bis zum Schluss auf der Kippe stehen kann. So wurde uns zum Beispiel klar, wie wichtig sprachliche Feinheiten im diplomatischen Prozess sind. Ein Disput über die Worte should und shall im für die Staaten bindenden Teil des Vertragstextes schien so kurzzeitig eine Einigung in Frage zu stellen. Das Verhandlungsteam der USA entdeckte, dass der Entwurf durch die Benutzung des Wortes shall eine für die Staaten bindende Wirkung hätte und damit vom US-Kongress ratifiziert werden müsste. Dies wollte das Verhandlungsteam unbedingt vermeiden, da eine Zustimmung im Kongress aufgrund der aktuellen Mehrheitsverhältnisse mehr als unwahrscheinlich wäre. Dem geschickten diplomatischen Händchen von Frankreichs Außenminister und Verhandlungsleiter Laurent Fabius war es schließlich zu verdanken, dass dieser Disput in letzter Minute beigelegt werden konnte und damit eine notwendige Ratifizierung durch nationale Institutionen entfällt. Fabius und sein Team trugen des Weiteren durch ihre kluge Auswahl derjenigen Staaten, die eine Arbeitsgruppe leiteten, maßgeblich zum Erfolg des Gipfels bei. Dazu wurden nämlich vorwiegend Staaten ernannt, die sich vorher relativ skeptisch gegenüber einem ambitionierten Abkommen geäußert hatten. Durch den klugen Schachzug jedoch konnten diese Staaten sich nicht mehr der Verantwortung entziehen und waren zur konstruktiven Mitarbeit gezwungen. Nichtsdestotrotz versuchten einige Nationen ein ambitioniertes Abkommen zu verhindern. Eine Umweltorganisation präsentierte aus diesem Grund täglich den Fossil of the Day Award für dasjenige Land, welches sich als größter Bremser der Verhandlungen erwies. Wie zuvor zu erwarten, erhielt Saudi-Arabien die meisten Ernennungen zum Fossil of the Day.

Neben der Nennung des 1.5°C Ziels waren sicherlich der 5-jährige Überprüfungszyklus sowie die sichergestellte Finanzierung für Entwicklungsstaaten die wichtigsten Ergebnisse des Klimagipfels. In Zukunft werden die Treibhausgasemission der jeweiligen Länder alle 5 Jahre neu gemessen, woraufhin jeder Staat ambitioniertere Emissions-Verringerungsziele als im vorherigen Zeitraum präsentieren muss. Bezüglich des Finanzierungsmechanismus stammt wie bisher der große Teil der Finanzierung von den Industrieländern, erst ab 2015 sollen die reicheren Schwellenländer zu dieser Finanzierung auch im Großen beitragen.

Diese Vereinbarungen lassen einen natürlich zu der Frage kommen: Was kommt nach Paris? Auch dies wurde in groben Zügen in Paris festgehalten: 2018 soll das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) einen Report bezüglich des 1,5-Grad-Ziels veröffentlichen, der sicherstellen soll, dass die Mitgliedstaaten direkt vor dem endgültigen Festlegen ihrer nationalen Ziele auf dem neuesten Stand der Klimaforschung sind. Außerdem planen viele Staaten ihre Beiträge und Klimapolitiken bald zu überarbeiten. So wird auch in Deutschland wieder verstärkt darüber diskutiert, ob nicht doch noch mehr Kohlekraftwerke in naher Zukunft geschlossen werden sollten. Zusammenfassend kann man also sagen, dass das Abkommen von Paris einen weiteren Grundstein für die globale Klimapolitik gelegt hat. Dennoch sind wir uns sicher, dass noch viel passieren muss, um die festgehaltenen Ziele auch wirklich erreichen zu können. Gerade was den Umgang mit fossilen Energieträgern und unserem energieintensiven Lebensstil angeht, liegt noch vieles im Ungewissen. Die Klimadiplomaten haben in Paris wohl einen wegweisenden Pfad eingeschlagen, jetzt liegt es aber doch auch an jedem von uns etwas dazu beizutragen, dass die Vision einer auf 1,5 Grad gehaltenen Erderwärmung auch erreicht werden kann.

Für uns war es in jedem Fall eine einmalige Erfahrung bei so einem diplomatischen Highlight dabei sein zu dürfen und wir möchten uns hiermit noch einmal bei POLIS für die finanzielle Unterstützung bedanken! Wir sind voller Elan und Ideen aus Paris zurückgekehrt und sind uns sicher, dass die vielen positiven Eindrücke und Gespräche uns für unsere Masterarbeiten hilfreich sein können. Zumindest sind wir uns sicher, dass wir weiterhin auf dem Pfad der Klimapolitik bleiben möchten und hoffen, dass es nicht unsere letzte Teilnahme an einer Klimakonferenz gewesen ist – das nächste Mal vielleicht schon auf der anderen Seite ;)

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